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Universell

Warum sind Jesuiten nicht nur Priester?

Der eine bohrt Brunnen in Ostafrika. Der andere unterrichtete Siebtklässler. Ein Dritter arbeitet als Journalist im Vatikan, ein Vierter ist Künstler. Und das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was Jesuiten aus Deutschland alles so tun. Was allen aber gemeinsam ist, ist die Begegnung mit anderen Kulturen. Seien es andere Generationen, andere soziale Herkunft, andere Sprachen, andere Kontinente - das Fremde, das Andere gehört zum Jesuit-Sein dazu wie das tägliche Gebet.

Wenn der Orden, wie es von Anfang an sein Auftrag war, den Menschen und dem Glauben dienen soll, wenn Verkündigung, Dialog, Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung im Zentrum des Tuns stehen sollen, dann bedeutet das die Auseinandersetzung mit den anderen Kulturen, auch mit denen im eigenen Kulturkreis.

Und das muss man dann so machen, dass man diesen Kulturen auch wirklich begegnet: Vom berühmten astronomischen Institut des Vatikans (der "Päpstlichen Sternwarte"), über die Klassenzimmer der Schulen, die Praxis von Ärzten, das Brunnenbohren in Ostafrika bis hin zum praktizierten Journalismus.

Das geht nur, wenn man dazu auch ausgebildet oder spezialisiert ist, und wenn die Lebensweise als Gemeinschaft dem angepasst ist. Die erste Generation von Jesuiten hatte das gut verstanden; sie schuf einen neuen Ordenstyp, dessen Lebensweise flexibel ist und sein muss. So kennen wir Jesuiten kein Ordensgewand und kein gemeinsames Chorgebet. Wir leben in Gemeinschaften, die sich immer wieder neu zusammensetzen, je nachdem, wer gerade welche Aufgabe übernimmt. Und was genau jemand macht und wie er sich spezialisiert, das wird gemeinsam mit den Oberen entschieden, damit Bedürfnis und Talent möglichst in Deckung kommen.

Das Universale liegt schon in der DNA des Ordens begründet. Die ersten Jesuiten entschieden, dass sie sich als Gemeinschaft der Kirche und dem Papst zur Verfügung stellen wollen, denn der wisse am besten, wo sie am meisten gebraucht würden. Jesuit-Sein will eine Antwort auf Anfragen sein, eine Reaktion auf die „je größere Not“ in der Welt, wie es damals ausgedrückt wurde. Wir sollen dort arbeiten, wo jemand gebraucht wird, und nicht, wo wir als Orden oder als Einzelner hinwollen.

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