Jesuiten
 
    
 
 
Ignatianische Spiritualität heute
Spiritualität
 

 
 
"Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich nur ganz seiner Führung anvertrauten."

Auch wenn diese Aussage des Heiligen Ignatius von Loyola bis heute nichts von ihrer Gültigkeit eingebüsst hat, so könnte er doch jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch mit einem gewissen Stolz feststellen, wie viele Menschen sich mit Hilfe seiner Spiritualität von Gott auf ihrem Weg begleiten lassen. Namentlich seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und dem Aufbruch durch das 2. Vatikanischen Konzil wurden die sogenannten Exerzitien, die Geistlichen Übungen des Ignatius, und die damit verbundene Spiritualität sowohl im Jesuitenorden selber als auch weit über dessen Grenzen hinaus neu entdeckt und verbreitet.

In einer Zeit, in der das Individuum und seine Autonomie und Selbstverwirklichung immer mehr in den Vordergrund tritt, erweist sich die bald 500 jährige Spiritualität des Ignatius als aktueller denn je. Ausgehend von der Erfahrung, dass Gott jeden einzelnen in einer ganz persönlichen Beziehung ansprechen möchte, will die Ignatianische Spiritualität helfen, Gottes Spuren in den konkreten Erfahrungen des Alltags zu erkennen und zu unterscheiden. Beim "Gott suchen und finden in allen Dingen" haben dabei innere Regungen und Gefühle genau so ihren Platz wie der Verstand und der Körper.

Neben zahlreichen Frauen- und Männerorden, die sich heute von der Ignatianischen Spiritualität inspirieren lassen, ist es vor allem auch die internationale "Gemeinschaft christlichen Lebens" (GCL, Christian Life Community CLC), die seit dem Konzil massgeblich dazu beigetragen hat, dass diese ganzheitliche Spiritualitätsform auch unter Laien grosse Verbreitung fand. GCL ist in gegen 60 Ländern auf 5 Kontinenten präsent und versucht, die Spiritualität des Ignatius für den Alltag der Menschen zugänglich zu machen. Dem gleichen Ziel widmen sich die "Exerzitien im Alltag", die sich in den Pfarreien zunehmender Beliebtheit erfreuen. Und da die entsprechende Ausbildung in der Schweiz seit Jahren in ökumenischer Zusammenarbeit erfolgt, wird diese Form geistlicher Übungen für den Alltag immer häufiger auch in reformierten Kirchgemeinden angeboten.

Zusammen mit neueren Angebote wie Exerzitien on-line oder der Kleinschriftenreihe "Ignatianische Impulse", wird die Ignatianische Spiritualität so heute auch Menschen zugänglich gemacht, denen es Zeit und Mittel nicht ohne weiteres erlauben, längere Kurse in Exerzitienhäuser zu besuchen. Wenn der eingangs zitierte Satz des Ignatius also auch heute noch seine Gültigkeit hat, dann jedenfalls nicht deshalb, weil die Jesuiten "ihre" Spiritualität einer wie auch immer gearteten Elite vorbehalten würden.

Beat Altenbach SJ, Zürich


© www.jesuiten.ch 2007    >